In einem Ort mit nicht ganz vierhundert Einwohnern ist ein Laden keine Selbstverständlichkeit. In Balderschwang gibt es einen, mitten im Dorf, und er heißt wie das halbe Tal: Kienle.
Was es gibt
Lebensmittel für den täglichen Bedarf, Brot und Backwaren, Getränke, Süßes und Snacks, dazu Drogerieartikel und ein paar Souvenirs. In den Regalen stehen Nudeln, Konserven, Saucen, Essig und Öl, Kaffee, Marmelade, Sirup. Nichts davon ist überraschend, und genau darum geht es.
Der Unterschied zum Supermarkt im Tal ist nicht, dass etwas fehlt. Es ist die Zahl der Varianten. Wo unten zwölf Sorten Senf stehen, stehen hier ein oder zwei. Für einen Wocheneinkauf reicht das. Für die Frage, was heute Abend auf den Tisch kommt, sowieso.
Wann offen ist
Vormittags von 8 bis 11 Uhr, nachmittags von 13 bis 17.30 Uhr. Je nach Saison verschiebt sich das, und die Mittagspause ist keine Formsache, sondern eine richtige Pause.
Verlass ist auf eine Sache: An der Tür hängen die aktuellen Zeiten. Was dort steht, gilt, auch gegenüber dieser Seite hier. Wer aus der Ferienwohnung losgeht und auf die Minute rechnet, wirft besser einen Blick darauf, bevor er den Kaffee aufsetzt.
Vormittags die heiße Theke
Am Vormittag läuft eine heiße Theke, und das Aushängeschild ist frisch gebackener Leberkäse. Solange der Vorrat reicht, und das ist bei drei Stunden Vormittag durchaus ernst gemeint. Wer erst kurz vor elf kommt, kommt unter Umständen zu spät.
Das Brot kommt aus Österreich
Auf den Papieren in der Auslage stehen Sulzberg und Hittisau, zwei Orte im Bregenzerwald, also jenseits der Grenze in Vorarlberg. Von hier aus sind das ein paar Kilometer nach Westen.
Das klingt exotischer, als es ist. Bis 1961, als die Straße über den Riedbergpass eröffnet wurde, war Balderschwang mit dem Auto ausschließlich über Vorarlberg zu erreichen. Wer ins Tal wollte oder heraus, fuhr Richtung Hittisau. Dass das Brot heute aus dieser Richtung kommt, ist weniger eine Kuriosität als die Fortsetzung einer alten Gewohnheit.
Warum so ein Laden zählt
Der nächste Supermarkt liegt gut sechzehn Kilometer entfernt, über den Riedbergpass, mit 1.407 Metern die höchste Passstraße Deutschlands. Die zweite Möglichkeit führt nach Westen über Hittisau in den Bregenzerwald, auch das ist kein Sprung um die Ecke. Im Sommer sind beide Strecken schön. Im Winter ist es eine Entscheidung, ob man wegen einer Packung Butter über den Berg fährt.
Dazu kommen die Gäste. In Balderschwang stehen viele Ferienwohnungen, in denen selbst gekocht wird, und jede Zutat, die es im Ort gibt, ist eine Fahrt weniger über den Pass. Ein Laden im Dorf ist deshalb nicht nur bequem. Er hält Verkehr aus dem Tal heraus.
Der Name Kienle
Der Name begegnet einem hier ständig. Es gibt das Hotel Kienle, das sich inzwischen Kräuterhotel nennt. Es gibt Kienles Krämerei mit Kräuterprodukten, Käse, Wurst und Honig aus der Gegend. Es gibt diesen Laden. Und der Bürgermeister der Gemeinde heißt Konrad Kienle, im Frühjahr 2026 mit 91,5 Prozent im Amt bestätigt.
In einem Ort dieser Größe ist das weniger auffällig, als es von außen wirkt. Es sind wenige Familien, die vieles am Laufen halten, und wer eines davon betreibt, betreibt meistens noch zwei andere Dinge dazu.
Praktisch
Kienle, der Dorfladen
Dorf 4 1/2, 87538 Balderschwang
Telefon 08328 221
Vormittags 8 bis 11 Uhr, nachmittags 13 bis 17.30 Uhr, je nach Saison abweichend.