„Sich Zit long" heißt im Balderschwanger Dialekt so viel wie: sich Zeit lassen. Der Weg, der so heißt, nimmt einen beim Wort. Er führt am Sonnenhang über dem Dorf entlang, hat sechzehn Stationen und keine einzige Stelle, an der man außer Atem käme.
Der Weg in Zahlen
| Länge | rund 5 km als Runde; einzelne Portale nennen 5,1 km, andere rechnen Zu- und Abgänge mit |
|---|---|
| Dauer | 1,5 bis 2 Stunden, mit Kindern und sechzehn Stationen eher zwei |
| Aufstieg | etwa 76 Höhenmeter |
| Abstieg | etwa 98 Höhenmeter |
| Schwierigkeit | leicht |
| Stationen | 16 |
| Lage | Südhang über dem Balderschwanger Tal |
| Saison | das ganze Jahr |
| Hunde | erlaubt |
Die Längenangaben der Portale gehen auseinander, von 5 bis 7,5 Kilometern. Das liegt daran, dass der Weg mehrere Ein- und Ausstiege hat und jeder eine andere Variante misst. Wer im Dorf startet und im Dorf endet, ist bei etwa fünf Kilometern, und das fühlt sich auch so an.
Was der Weg erzählt
Der Zeitweg war ursprünglich ein Höhenweg wie viele andere, ein Pfad am Hang, auf dem man von einem Gehöft zum nächsten kam. Daraus ist eine Runde mit sechzehn Stationen geworden, die zwei Geschichten nebeneinander erzählen: die der Menschen in den Balderschwanger Bergen und die der Natur im Naturpark Nagelfluhkette.
Das ist der Unterschied zu einem gewöhnlichen Lehrpfad. Hier steht nicht alle paar Meter eine Tafel mit Text, den niemand liest. Die Stationen sind Dinge, an denen man stehenbleibt, weil dort etwas ist: ein Gehege, ein Tobel, eine Liege mit Aussicht.
Ein Weg, der nach dem Zeitlassen benannt ist, wäre ein schlechter Witz, wenn er in einer Stunde abgehakt wäre. Er ist es nicht.
Die Stationen, die man sich merkt
| Kienles Kräuterparadies | der übliche Start: Heilkräuter zum Anschauen und Anfassen. Kinder erkennen hier regelmäßig den Geschmack ihres Hustensafts wieder |
|---|---|
| Die alte Eibe | der Baum, um den sich im Tal die meisten Geschichten ranken. Mehr dazu auf der Seite Die alte Eibe von Balderschwang |
| Sägebachtobel | ein enger Einschnitt mit einem Bach, der nach Regen zeigt, was er kann |
| Ruhepavillon | Liegen mit Blick auf die Berge. Die Station, an der der Name des Weges am wörtlichsten zu nehmen ist |
| Gehege am Säntisblick | Kaninchen, Ziegen und Hühner, zum Streicheln |
| Wildgehege | schottische Hochlandrinder und Hirsche |
| Kneippbecken am Dorfweiher | Tretbecken und Armbad, seit 2023, kostenlos und ohne Öffnungszeiten |
| Schlipfhalden | der Weiler an der Grenze, an dem die Runde ihren äußersten Punkt hat |
Am östlichen Ende läuft der Weg auf Asphalt zur Alpe Steurer aus, zurück geht es durch das Dorf. Der Blick reicht unterwegs über das Tal hinweg bis zum Säntis und zum Hohen Ifen.
Mit Kindern
Das ist die Runde, die im Tal jeder empfiehlt, wenn Kinder dabei sind, und ausnahmsweise zu Recht. Die Höhenmeter sind überschaubar, die Stationen sind nah genug beieinander, dass niemand zwischendurch fragt, wie weit es noch ist, und an mindestens zwei Stellen stehen Tiere hinter einem Zaun.
Ein ehrlicher Hinweis zum Kinderwagen: Der Weg ist leicht, aber es ist ein Wanderweg am Hang, kein Spazierweg. Mit einem geländegängigen Wagen geht das meiste, mit einem Stadtmodell nicht überall. Wer sich unsicher ist, fragt in der Gästeinformation nach der aktuellen Lage; nach nassen Wochen sieht es anders aus als im August.
Rinder auf dem Weg
Am Hang weiden Tiere, und der Weg führt mitten hindurch. Das ist normal und meistens unspektakulär, verlangt aber ein paar Dinge:
Abstand halten und ruhig bleiben. Nicht zwischen Kuh und Kalb gehen, nicht fotografieren aus zwei Metern, nicht scheuchen.
Hunde an die kurze Leine. Das ist der Punkt, an dem es sonst gefährlich wird. Greift ein Rind trotzdem an, gilt: Hund loslassen. Er ist schneller als das Rind, Sie sind es nicht.
Zäune und Tore. Was zu war, bleibt zu. Das ist keine Formsache, sondern der Unterschied zwischen einer Weide und einer Suchaktion.
Wann sich der Weg am meisten lohnt
Der Zeitweg liegt am Südhang, und das merkt man. Im Frühsommer blüht die Wiese, im Herbst steht das Licht flach über dem Tal und die Alpen färben sich. Im Hochsommer ist der frühe Vormittag angenehmer als der Nachmittag, weil es am Hang wenig Schatten gibt.
Im Winter bleibt die Runde begehbar, dann aber als Winterwanderweg und mit der Vorsicht, die ein gefrorener Hang verlangt. Was sonst im Winter geht, steht unter Balderschwang im Winter.
Anfahrt und Start
Balderschwang erreicht man über den Riedbergpass oder von Westen über Hittisau; ohne Auto mit der Buslinie 46, Näheres unter Öffentliche Verkehrsmittel. Im Dorf ist alles zu Fuß erreichbar, der Weg beginnt praktisch vor der Haustür.
Weil der Zeitweg mehrere Ein- und Ausstiege hat, lässt er sich kürzen, ohne dass es nach Abbruch aussieht. Wer nur eine Stunde hat, geht bis zum Ruhepavillon und wieder zurück. Die GPX-Datei für Wander-Apps gibt es bei der Gästeinformation im Ort.
Kurz gefragt
Was bedeutet „sich Zit long"? Es ist Balderschwanger Dialekt und heißt: sich Zeit lassen.
Wie lang ist der Zeitweg? Als Runde ab dem Dorf rund 5 Kilometer, zu gehen in eineinhalb bis zwei Stunden bei etwa 76 Höhenmetern bergauf.
Ist der Zeitweg dasselbe wie der Höhenweg? Ja. Im Ort und auf manchen Karten heißt dieselbe Runde Höhenweg oder Kleiner Höhenweg.
Wie viele Stationen hat der Weg? Sechzehn, vom Kräutergarten über Tobel und Gehege bis zum Ruhepavillon.
Ist der Weg kinderwagentauglich? Mit einem geländegängigen Wagen überwiegend ja, mit einem Stadtmodell nicht überall. Es bleibt ein Wanderweg am Hang.
Darf der Hund mit? Ja, an der Leine. Auf den Weideflächen kurz halten und Rindern ausweichen.
Kann man den Weg im Winter gehen? Ja, er ist ganzjährig begehbar, im Winter als Winterwanderweg und mit entsprechendem Schuhwerk.