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Die Geschichte von Balderschwang

Vom gerodeten Hochtal zum Wintersportort: Wie aus Balders Schwand die höchstgelegene Gemeinde Deutschlands wurde – Rodung, Kleine Eiszeit, Pass von 1961.

Balderschwang ist jung für ein Bergdorf – dauerhaft bewohnt erst seit gut 340 Jahren. Die Geschichte des Hochtals ist eine Geschichte von Kälte, Zähigkeit und einer einzigen Straße, die alles verändert hat.

Ein Bauer namens Balder

Der Ortsname erzählt die Gründung gleich mit: Ein Bauer namens Balder soll im 14. Jahrhundert das Tal gerodet haben – im Alemannischen „geschwendet", daher die Endung -schwang. Aus Balders Schwand wurde Balderschwang. Gerodet wurde nicht, um hier zu wohnen, sondern um Weide zu gewinnen: Das Tal war Alpgebiet, im Sommer beweidet, im Winter verlassen.

Dass es dabei jahrhundertelang blieb, hatte einen klimatischen Grund. Mit der Kleinen Eiszeit ab dem 14. Jahrhundert wurden die Winter auf 1.044 Metern so hart und die Schneelagen so lang, dass ganzjähriges Wohnen kaum möglich war. Wer hier oben arbeitete, zog im Herbst hinunter.

1684: Der erste, der blieb

Erst 1684 überwinterte erstmals jemand dauerhaft im Tal – ein Alpverwalter im Dienst des Klosters. Von da an wuchs eine kleine ständige Bevölkerung heran, die von Alpwirtschaft, Vieh und Holz lebte. Die Pfarrkirche, dem heiligen Antonius geweiht, gab dem Ort seinen Mittelpunkt – und ist bis heute der Grund für den Titel, den Balderschwang gern führt: die höchstgelegene Gemeinde Deutschlands mit eigener Pfarrkirche. Der Zusatz ist wichtig, denn ohne ihn gäbe es Streit mit anderen Orten.

Wer im Winter hier lebte, war auf sich gestellt. Der Weg hinaus führte über Pfade, nicht über Straßen – und im Schnee oft gar nicht.

1961: Der Pass kommt

Die eigentliche Zäsur ist neueren Datums. 1961 wurde die Straße über den Riedbergpass fertiggestellt, mit 1.407 Metern die höchste durchgehend befahrbare Passstraße Deutschlands. Balderschwang war damit erstmals ganzjährig und bequem erreichbar – aus dem abgelegenen Alptal wurde ein Ort, den man an einem Nachmittag von München aus ansteuern kann.

Was folgte, kennt man aus vielen Alpentälern: Lifte, Loipen, Gäste, Hotels. Anders als anderswo blieb Balderschwang dabei klein. Das Tal hat keinen Platz für große Bettenburgen, und die Gemeinde hat ihn auch nicht geschaffen.

Balderschwang heute

Höhe1.044 m ü. NHN
Einwohner354 (Stand 31.12.2024)
Fläche41,74 km²
LandkreisOberallgäu, Bayern
Skigebietrund 40 Pistenkilometer

354 Einwohner auf knapp 42 Quadratkilometern – das ist eine der geringsten Bevölkerungsdichten Bayerns. Im Winter sind mehr Gäste im Tal als Einheimische, im Frühjahr kehrt Ruhe ein. Beides gehört zu Balderschwang.

Und mitten in dieser jungen Ortsgeschichte steht ein Baum, der älter ist als alles andere hier: die alte Eibe, geschätzte 800 bis 1.500 Jahre. Sie stand schon, als Balder noch nicht geboren war.

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Wie man heute ins Tal kommt – und was der Pass im Winter verlangt – steht auf der Seite Anreise & Riedbergpass. Wer wissen will, wie sich das Tal durchs Jahr verändert: Balderschwang im Winter und Balderschwang im Sommer.

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