Der Riedbergpass ist die höchste durchgehend befahrbare Passstraße Deutschlands und für Balderschwang die Hauptzufahrt. Wer aus Richtung Oberstdorf oder Sonthofen kommt, muss hier herüber. Was das im Sommer bedeutet und was im Winter, steht auf dieser Seite.
Der Pass in Zahlen
| Passhöhe | 1.407 m ü. NHN. Das Schild am Pass nennt 1.420 m |
|---|---|
| Verbindet | Obermaiselstein im Osten mit Balderschwang im Westen |
| Länge | rund 14 km über beide Rampen |
| Maximale Steigung | 16 % |
| Belag | durchgehend asphaltiert, keine Maut |
| Grenzen | höchstens 24 t, 15 m Länge, 4 m Höhe |
| Fertiggestellt | 1961 |
Die Ostrampe von Obermaiselstein herauf ist die spektakulärere: eng, kurvig, mit Kehren, die man im Wohnmobil respektiert. Die Westseite Richtung Balderschwang läuft deutlich ruhiger aus. Zwischen Obermaiselstein und der Passhöhe liegen gut 400 Höhenmeter, und die machen beim Wetter oft den ganzen Unterschied.
Ist der Riedbergpass gerade offen?
In aller Regel ja. Eine feste Wintersperre gibt es nicht, der Pass wird geräumt und ist auch im Januar befahrbar. Gesperrt wird nur kurzfristig, etwa bei starkem Schneefall, Lawinengefahr oder nach einem Unfall.
Weil sich das binnen Stunden ändert, steht hier bewusst keine Statusanzeige. Verbindlich ist die Seite des Landratsamts Oberallgäu, die den Zustand am Pass in Echtzeit zeigt, einschließlich angeordneter Kettenpflicht. Ein Blick dorthin vor der Abfahrt spart im Zweifel eine Stunde.
Dasselbe gilt für Unfälle. Wer nach „Unfall Riedbergpass heute" sucht, ist bei Polizei und Verkehrsfunk richtig, nicht bei einem Dorfportal. Wir melden nichts, was wir nicht selbst prüfen können.
Winter: Ketten gehören in den Kofferraum
Zwischen November und April sollten Schneeketten im Auto liegen, auch wenn das Tal unten grün aussieht. Bei angeordneter Kettenpflicht reichen Winterreifen nicht, dann müssen die Ketten drauf, und die Polizei kontrolliert das am Fuß der Rampe.
Zwei Dinge, die Ortsfremde regelmäßig unterschätzen: Die Ostrampe liegt am Vormittag im Schatten und bleibt dort länger glatt als die sonnige Westseite. Und wer noch nie Ketten aufgezogen hat, übt das besser einmal in der Einfahrt zu Hause als im Dunkeln bei Schneetreiben am Hang.
Wer den Pass meiden will, kann Balderschwang auch von Westen erreichen, über Hittisau und das Bolgenachtal. Diese Strecke führt durch Österreich und kommt ohne Passhöhe aus.
Mit dem Rennrad
Der Riedbergpass ist ein bekannter Anstieg. 16 Prozent an der steilsten Stelle sind kein Spaziergang, und die Ostrampe hat die härteren Passagen. Wer die Höhe sammeln will: Von Obermaiselstein aus sind es rund 400 Höhenmeter bis zur Passhöhe, von Balderschwang aus ist der Anstieg kürzer und flacher.
Mit dem Motorrad: der ernsteste Punkt auf dieser Seite
Der Riedbergpass ist eine beliebte Motorradstrecke, und er ist eine gefährliche. Jedes Jahr verunglücken hier Motorradfahrer, regelmäßig schwer. Die Größenordnung liegt bei gut einem Dutzend Motorradunfällen pro Jahr; ein Bericht aus Obermaiselstein nennt 17 in einem Jahr und 12 im darauffolgenden, nachdem die Gemeinde gegengesteuert hatte.
Der Grund ist banal und immer derselbe: Es wird um die Kurven geheizt. Die Kehren sind eng und unübersichtlich, entgegenkommende Fahrzeuge schneiden sie, und wer zu schnell hineinfährt, hat auf der Gegenfahrbahn keine Reserve mehr. Dazu kommt, was auf einer Passstraße im Allgäu eben unterwegs ist: Wohnmobile, der Linienbus, Radfahrer auf der Steigung, landwirtschaftlicher Verkehr, Wanderer an den Einstiegen. Und im Frühjahr Splitt in genau den Kurven, in denen man ihn nicht braucht.
Die Gemeinde Obermaiselstein hat darauf reagiert, mit Überholverboten und Geschwindigkeitsbegrenzungen, farbigen Kurvenwarnschildern nach österreichischem Vorbild, blinkenden elektronischen Schildern an den Unfallschwerpunkten und zurückgeschnittener Randbepflanzung für bessere Sicht. Dazu kommen Lärmmessungen und ein Lärmdisplay, denn neben den Unfällen ist der Lärm das zweite Thema im Tal.
Wer die Strecke fahren will, soll sie fahren. Nur bitte so, dass die Kurve auch dann noch ausgeht, wenn hinter ihr ein Bus steht.
Am Pass unterwegs
Die Passhöhe ist Ausgangspunkt für Wanderungen. Wer von dort losgeht, ist schnell oben, weil die 1.407 Meter schon geschenkt sind. In Richtung Balderschwang liegen das Wandergebiet des Tals und die Gipfel rundum, darunter der Gelbhansekopf mit seinem beleuchteten Gipfelkreuz.
Im Winter ist die Gegend um den Pass Langlaufgebiet. Welche Loipen gespurt sind, hängt am Tag und am Schnee; verbindlich sind die Angaben der Loipenverwaltung und des Skigebiets, nicht eine Seite, die im Sommer geschrieben wurde.
Wetter und Sicht
Das Wetter am Pass ist regelmäßig ein anderes als unten im Tal. Nebel, der in Sonthofen liegt, endet auf halber Rampe, und umgekehrt zieht es oben zu, während unten die Sonne scheint. Wer sehen will, wie es gerade aussieht, findet unter Webcams die Kameras aus dem Tal und eine direkt am Bolgengrat an der Passzufahrt.
Kurz gefragt
Wie hoch ist der Riedbergpass? 1.407 Meter über Normalhöhennull. Das Schild an der Passhöhe nennt 1.420 Meter. Damit ist er die höchste durchgehend befahrbare Passstraße Deutschlands.
Ist der Riedbergpass im Winter gesperrt? Nein, eine planmäßige Wintersperre gibt es nicht. Bei starkem Schneefall kann er kurzfristig gesperrt werden, häufiger wird Kettenpflicht angeordnet.
Gilt am Riedbergpass Kettenpflicht? Nicht dauerhaft, sondern nach Bedarf. Ob sie gerade gilt, steht beim Landratsamt Oberallgäu. Angeordnete Kettenpflicht heißt: ohne Ketten keine Weiterfahrt, Winterreifen genügen dann nicht.
Darf ich mit Wohnmobil oder Anhänger über den Pass? Bis 24 Tonnen, 15 Meter Länge und 4 Meter Höhe ja. Bei 16 Prozent Steigung und engen Kehren sollte man sich das trotzdem zutrauen wollen.
Wie komme ich ohne den Pass nach Balderschwang? Von Westen über Hittisau und das Bolgenachtal. Die Strecke führt durch Österreich und hat keine Passhöhe.
Wie lange dauert die Fahrt von Oberstdorf nach Balderschwang? Über den Pass rund 30 Minuten. Bei Winterverhältnissen deutlich länger.