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Das Alpinium ist Geschichte. Sieben Jahre nachdem es als Trostpflaster für die abgesagte Skischaukel am Riedberger Horn angekündigt wurde, hat das bayerische Kabinett beschlossen, es als staatliches Projekt nicht weiterzuverfolgen. Für Balderschwang bleibt davon etwas übrig, das auf den ersten Blick nach Niederlage aussieht und auf den zweiten vielleicht der bessere Teil des Geschäfts ist: mehr als vier Millionen Euro Förderung und zwei Rangerstellen.
Was das Alpinium werden sollte
Nach dem Aus der Skischaukel beschloss die Staatsregierung 2018 die „Naturoffensive Bayern". Deren Leuchtturmprojekt im Allgäu sollte das Alpinium sein: ein Verwaltungszentrum mit Erlebnisausstellung in Obermaiselstein und ein Informations- und Umwelterlebniszentrum in Balderschwang, beide als staatliche Einrichtungen, vierzehn Kilometer voneinander entfernt.
Die Zahlen, die dabei im Raum standen, waren für zwei Gemeinden dieser Größe beachtlich:
| Investitionsvolumen | 15 Millionen Euro in Aussicht gestellt |
|---|---|
| Laufender Betrieb | 500.000 Euro pro Jahr |
| Personal | 20 Stellen |
| Haushalt 2019/2020 | 16,5 Millionen Euro für die staatlichen Hochbaumaßnahmen veranschlagt |
Was daraus wurde
Im Mai 2018 richtete die Regierung von Schwaben einen Aufbaustab ein, im September nahm das Alpinium den Betrieb auf – in Obermaiselstein, in angemieteten Räumen: ein paar Zimmer in einem ehemaligen Schulgebäude und eine ehemalige Bankfiliale. Die Mitarbeiter machten Besucherlenkung, beobachteten Flora, Fauna und Freizeitnutzung und boten Führungen an.
In Balderschwang hat das Alpinium nie einen Standort bekommen. Das ist kein Vorwurf an irgendwen, sondern schlicht der Befund des Bayerischen Obersten Rechnungshofs, der das Projekt 2023/2024 geprüft hat. Von den angekündigten Bauten wurde keiner gebaut, für die Neubauvorhaben floss kein einziger Euro. Ausgegeben wurden von 2018 bis 2023 dennoch 4,03 Millionen Euro, davon 2,5 Millionen für Personal.
Sieben Jahre, zwei angemietete Büros, kein Haus. Und ein Tal, das auf ein Zentrum wartete, das nie kam.
Der Rechnungshof stellte unbequeme Fragen
Der Prüfbericht ist deutlicher, als amtliche Papiere es sonst sind. Eine 2021 beauftragte Potenzialanalyse – Kosten 40.000 Euro, Ergebnis im Februar 2022 – kam zu dem Schluss, dass das geplante Alpinium mit bereits bestehenden Angeboten konkurrieren würde: mit dem Naturparkzentrum im AlpSeeHaus in Immenstadt, siebzehn Kilometer entfernt, und dem Naturerlebniszentrum Allgäu in Sonthofen, elf Kilometer entfernt. Beide werden ebenfalls mit Landesmitteln gefördert.
Der bemerkenswerteste Satz des Berichts ist eine Auskunft des Umweltministeriums selbst: Bei der Standortentscheidung für das Alpinium sei die in der näheren Umgebung bereits bestehende Infrastruktur nicht berücksichtigt worden.
Der Rechnungshof vermisste ein Gesamtkonzept, das es vor der Betriebsaufnahme hätte geben müssen, und empfahl zu prüfen, ob eine Integration des Alpiniums ohne Neubauten in die vorhandene Infrastruktur nicht wirtschaftlicher wäre. Im März 2024 räumte das Ministerium ein, die geplanten Neubauten seien „schwer realisierbar".
Der Bürgerentscheid und das Ende
Den Rest besorgte Obermaiselstein selbst. Dort lehnten die Bürger den geplanten Alpinium-Neubau in einem Bürgerentscheid ab. Im Dezember 2025 zog das Kabinett die Konsequenz und beendete das Projekt als staatliches Vorhaben. Die Beschäftigten werden der Regierung von Schwaben zugeordnet und künftig in der Naturschutzverwaltung eingesetzt – ihre Fachkompetenz, so das Ministerium, solle weiter genutzt werden.
Was Balderschwang bekommt
Der Landesbund für Vogel- und Naturschutz, der jahrelang gegen den Ausbau des Skibetriebs am Riedberger Horn gekämpft hat, nennt die Zusage ausdrücklich positiv. LBV-Vorsitzender Dr. Norbert Schäffer verbindet sie allerdings mit einer Bedingung: „Entscheidend wird sein, dass diese Mittel tatsächlich dem Schutz der sensiblen Alpenlandschaft zugutekommen."
Was das für das Tal heißen könnte
Ab hier ist es Einordnung, keine Meldung. Was die Gemeinde mit dem Geld tatsächlich vorhat, ist öffentlich nicht bekannt – wir haben dazu bisher keine Beschlüsse gefunden.
Die Größenordnung ist ungewöhnlich. Balderschwang hat rund vierhundert Einwohner. Vier Millionen Euro sind damit, grob gerechnet, zehntausend Euro je Einwohner. Kein Dorf dieser Größe bekommt so etwas zweimal.
Kein Haus zu haben, kann ein Vorteil sein. Ein Umwelterlebniszentrum wäre ein Gebäude gewesen, das geheizt, gepflegt, bespielt und besetzt sein will – dauerhaft, auch wenn der Zuschuss ausläuft. Genau daran scheitern solche Häuser andernorts. Ein zweckgebundenes Budget ohne Bauwerk verlagert das Risiko: Es lässt sich in Dinge stecken, die danach nicht weiterkosten.
Der Zweck passt zu dem, was das Tal ohnehin braucht. Besucherlenkung, Wege und Loipen, der Erhalt der Alpflächen, Klimaschutz – das sind keine aufgesetzten Themen, sondern die Liste, die hier sowieso offen ist. Wer im Sommer sieht, wie die Parkplätze am Riedbergpass aussehen, weiß, wovon die Rede ist.
Die zwei Rangerstellen sind der stille Teil. Was das Alpinium praktisch geleistet hat – Leute ansprechen, Wege erklären, Störungen von Wildtieren verhindern – hing nie am Gebäude, sondern an den Menschen. Die bleiben, nur unter anderem Dach.
Ein Zentrum hätte gezeigt, dass etwas passiert. Ein Budget muss zeigen, dass etwas passiert. Das ist der Unterschied, und er liegt bei der Gemeinde.
Offen bleiben die Fragen, die zählen: Wann fließt das Geld, über welchen Zeitraum, und wer entscheidet über die Verwendung? Dazu ist uns nichts Belastbares bekannt. Sobald es Beschlüsse gibt, tragen wir sie hier nach – und wer im Gemeinderat sitzt oder mitliest und mehr weiß, darf uns gern auf dem Dorfplatz korrigieren.
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